Zwangsstörung
Zwangsstörungen setzen sich in der Regel aus Zwangsvorstellungen (Zwangsgedanken) und Zwangshandlungen zusammen. Zwangsgedanken sind Vorstellungen, Ideen oder Impulse, die von den Betroffenen als übertrieben oder unsinnig erlebt werden, sich aber hartnäckig immer wieder aufdrängen. Zwangshandlungen sind wiederholte, stereotyp ablaufende Verhaltensweisen, zu denen sich die Betroffenen gedrängt fühlen, obwohl sie diese als übertrieben einstufen.
Aus tiefenpsychologischer Sicht dienen Zwangshandlungen dazu, unangenehme Gefühle wie Unsicherheit, Scham, Ängste und Ekel zu vermeiden und zu verdrängen. Somit sind Zwangsgedanken und -handlungen psychologische Abwehrvorgänge, die schwierige, mit der bewussten Lebenshaltung unvereinbare Gefühle verdrängen helfen und die Person stabilisieren sollen.
Da die Erkrankung unbehandelt zu einer Chronifizierung neigt, können die Zwänge nach jahrelanger Erkrankung so stark Teil des Lebens werden, dass daraus Depressionen und Gefühle von Sinnlosigkeit bis hin zur Suizidalität entstehen können.
Analytische Psychotherapieverfahren, die nach den unbewussten Ursachen forschen und eine allgemeine Persönlichkeitsentwicklung anstreben, können zwar nur selten eine vollständige Symptomfreiheit erreichen, aber doch eine deutliche Verbesserung des Krankheitsbildes bewirken. Das Ziel ist es, die zugrundeliegenden Konflikte und Ängste zu verstehen und alternative Bewältigungsmöglichkeiten aufzubauen.